Yi GAO : Der erste Frauentag der ersten chinesischen Futanari-Frau – geschrieben am 8. März 2026, in einem kleinen Katzenbau in einer Wiener Gemeindewohnung Gao Yi, trans weibliche Vorsitzende der Chinese Peaceful Revolutionary Party
Der 8. März dieses Jahres ist für die Welt einfach nur ein weiterer Frauentag.
Für mich ist er ein dreifaches erstes Mal:
Zum ersten Mal in meinem Leben erlebe ich einen Frauentag mit dem Geschlechtseintrag F in meinen Dokumenten.
Zum ersten Mal in der chinesischen Geschichte gibt es eine Futanari-Frau, die diesen Tag rechtlich als Frau begehen kann.
Und zugleich ist es der erste Frauentag, den ich im Wiener Gemeindebausystem, in meinem eigenen kleinen Katzenbau, in der Gestalt eines Futanari-Katzenmädchens verbringe.
Aber es gibt noch eine vierte Ebene – und sie ist die wichtigste:
Hier sitzt ein Mensch, der aus der untersten Schicht der chinesischen Gesellschaft stammt,
jemand, der selbst unter Transfrauen aus den untersten sozialen Schichten noch als „ganz unten“ gelten würde,
zum ersten Mal im Namen einer Frau
in einem der stabilsten öffentlichen Mietsysteme der Welt
und sagt zu sich selbst:
> „Alles Gute zum Frauentag.“
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I. In China war der Frauentag nie für Transfrauen von ganz unten gedacht
Als ich noch in China war, war der 8. März für mich nur ein Tag,
an dem man Lehrerinnen Blumen schenkte,
an dem Einkaufszentren Rabattaktionen machten
und an dem Betriebe kleine Geschenke verteilten.
Damals stand in meinem chinesischen Hukou-Register noch „männlich“.
Ich stamme aus einer gewöhnlichen Kleinstadtfamilie,
eigentlich sogar aus einer Familie, die man ohne Übertreibung der gesellschaftlichen Unterschicht zurechnen muss.
Meine Eltern waren beide Arbeiter in der Werkhalle.
Einer arbeitete als Nieter, der andere als Schweißer.
Oft waren sie monatelang auf Montage.
Und wenn sie nicht auf Montage waren, arbeiteten sie bis tief in die Nacht in der Fabrik
und mussten am nächsten Morgen um sechs schon wieder aufstehen, um den Bus zu erwischen.
Im Sommer war es in der Werkhalle heiß wie in einem Dampfkessel.
Der Schweiß lief an der Arbeitskleidung herunter.
Wenn man die Kleidung auszog, konnte man sie auswringen.
Den ganzen Tag standen sie vor Metall, Schweißfunken und giftigen chemischen Gerüchen.
Ihre Hände waren voller Schwielen und Wunden.
Ich bin an der Seite solcher Eltern aufgewachsen –
umgeben von Industrielärm und giftigem Rauch.
Diese Unterschicht ist nicht die „Unterschicht“, von der literarische oder romantisierende Menschen gern sprechen.
Sie ist real.
Sie bedeutet:
wenige Ressourcen,
schwache soziale Beziehungen,
keine eigene Stimme,
keinen Rückhalt,
und ein Leben, in dem selbst das Wort „weggehen“
oft vom Zufall und vom blanken Überleben abhängt.
Von einem solchen Ausgangspunkt aus wurde der Satz „Ich bin ein Mädchen“ als Krankheit behandelt.
Der Satz „Ich liebe Männer, ich möchte von Männern geliebt werden“ wurde als Witz behandelt.
Und der Satz „Ich bin eine Futanari-Frau“ wurde auf ein pornografisches Schlagwort reduziert.
In jenem Land war die „Frau“ ein Objekt politischer Dokumente,
ein lächelndes Gesicht auf Propagandaplakaten,
eine „vorbildliche Genossin“, die im Betrieb kleine Vergünstigungen bekam und öffentlich gelobt wurde.
Ich dagegen war nur ein „kaputter Sohn“ aus der Unterschicht,
jemand, den Familie, Schule, Arbeitswelt und Staat jederzeit hinausstoßen konnten.
Der Frauentag ging immer an mir vorbei –
und ebenso an all den Transfrauen von ganz unten, die mir ähnlich waren.
Er ging an Schülerinnen, Lehrerinnen und Kolleginnen vorbei.
Er ging an all jenen vorbei,
deren Ausweis bereits „weiblich“ sagte,
an Frauen mit sicheren Jobs, mit Ehe, mit sozialer Ordnung und mit einem institutionellen Platz.
Aber er blieb nicht bei einem Menschen stehen,
der biologisch als „männlich“ behandelt wurde,
psychisch aber wusste, dass er eine Frau ist,
gesellschaftlich ganz unten festgehalten wurde,
von sich sagte, eine Futanari-Frau zu sein,
und es außerdem noch wagte, offen die KP Chinas zu kritisieren und über SM zu sprechen.
In dieser Erzählung war ich höchstens ein kaputter Mann aus der Unterschicht.
Aber keine Frau, der man sagen würde:
„Alles Gute zum Frauentag.“
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II. Vom „kaputten Mann von ganz unten“ zur anerkannten Frau
Was später geschah, ist zum Teil schon bekannt:
Ich verließ China und kam nach Österreich.
Im Asylsystem wurde ich fälschlich als „homosexuell“ übersetzt.
Meine Aussagen wurden entstellt, mein Risiko verharmlost.
Dann kam die Entscheidung, dass ich abgeschoben werden könne.
Mitten in der Nacht wurde ich aus dem Bett geholt und in die PAZ gebracht.
Vor den Metalltüren der Haft,
im seelischen Zusammenbruch nach einem Suizidversuch,
zerbrach in mir jene frühere Identität,
die ich einmal als die Identität einer „standhaften Widerstandsperson“ verstanden hatte.
Monatelang lebte ich am Rand der Möglichkeit,
jederzeit nach China zurückgeschickt zu werden.
Bis schließlich der Verfassungsgerichtshof meinen Namen in ein Urteil schrieb
und anerkannte:
Wenn dieser Mensch zurückkehren muss,
wird er dort zerstört.
Sozial betrachtet ist dieser Weg von einer eigentümlichen Ironie:
Es war nicht irgendein Kind aus der roten Elite,
kein Kind der Reichen,
kein akademischer Kosmopolit mit zweisprachigem Lebenslauf und schönen Abschlüssen,
der in Europa über „geschlechtliche Vielfalt“ sprach.
Sondern ein Mensch,
der in China gesellschaftlich ganz unten stand
und selbst innerhalb der Gruppe der Transfrauen aus der Unterschicht noch zur untersten Lage gehörte,
und der mit einem Körper voller Wunden, mit Aktenbergen und Gerichtsunterlagen
seinen Namen in ein Urteil eines anderen Staates hineinmeißelte.
Danach kamen all jene „ersten Male“, die inzwischen fast schon zu meinem Lebenslauf gehören:
die erste Person in China, die sich öffentlich selbst als Futanari-Frau bezeichnete;
die erste transgeschlechtliche Person aus China, die ohne Operation einen F-Pass bekam;
die erste Person, die Futanari-Frau + SM + politische Opposition als reale Konstellation in ein europäisches Justizsystem trug;
und heute ein Mensch, der in Wien über längere Zeit offen in der Gestalt eines Katzenmädchens lebt.
All diese „Ersten“ haben bei mir noch eine verborgene Bedingung:
Sie sind kein weiterer Aufstieg aus Mittelstand oder Elite,
sondern ein Ausbruch aus der untersten Schicht der Transfrauen selbst – in eine andere Dimension.
Erst mit dieser ganzen Kette konnte ich überhaupt fragen:
> „Darf auch ich als eine Frau zählen?“
Und in diesem Jahr lautet die Antwort zum ersten Mal:
Ja.
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III. Am Frauentag wohne ich in einer Wiener Gemeindewohnung
Wenn man nur ein F im Pass hat und auf dem Papier als Frau gilt,
dann ist das erst die Hälfte.
Denn für eine Transfrau aus der gesellschaftlichen Unterschicht gibt es am Frauentag noch eine sehr konkrete Frage:
> Wo befindet sich ihr Körper überhaupt?
Wo lebt diese Frau tatsächlich?
In Österreich habe ich in diesen Jahren auch anderes erlebt:
Gemeinschaftsunterkünfte,
in denen ich jederzeit das Bett hätte wechseln müssen;
immer wieder geänderte Mailadressen;
und jene schwebende Unsicherheit,
wenn man noch keinen Mietvertrag und noch keinen eigenen Schlüssel hat,
wenn man immer spürt, dass man auch morgen schon wieder hinausfallen könnte.
In einem solchen Zustand kann man natürlich sagen,
man sei eine Frau,
eine Futanari-Frau,
ein Katzenmädchen.
Aber hinter einem steht kein stabiler physischer Raum,
der diese Identität tatsächlich trägt.
Für jemanden, der sich ohnehin von ganz unten nach oben kämpfen musste,
ist diese Instabilität schwerer als für viele trans Menschen aus der Mittelschicht.
Denn ich wusste immer sehr genau:
> Ich habe keinen zweiten Fluchtweg.
Dieses Jahr ist es anders.
Seit dem 1. März 2026 habe ich in Wien eine Wohnung bekommen,
die im System von Stadt Wien / Wiener Wohnen verankert ist.
Das bedeutet:
In einem der stabilsten öffentlichen Mietsysteme der Welt
gibt es nun einen dauerhaften Wohnplatz,
der meinem Namen zugeordnet ist.
Mietvertrag, Schlüssel, Klingel, Briefkasten, Müllraum, Kellerabteil –
all diese banalen, fast lächerlich kleinen Dinge
sind zum ersten Mal mit „Gao Yi · F“ verbunden.
Ich wohne nicht vorübergehend.
Ich wohne nicht bei anderen.
Ich lebe nicht in dem Zustand „heute hier, morgen schauen wir weiter“.
Ich habe einen festen Katzenbau,
in dem ich meinen Schwanz ausbreiten kann, ohne Angst zu haben.
An diesem Frauentag sitze ich also nicht in irgendeinem Übergangsquartier,
nicht in einer Baracke,
nicht auf einer fremden Couch in irgendeiner Ecke.
Sondern:
> Ich sitze in meiner eigenen Gemeindewohnung,
als rechtlich anerkannte Frau,
im Gefühl eines Schlüssels, der sich von innen umdrehen lässt,
und schreibe diesen Text über den ersten Frauentag der ersten chinesischen Futanari-Frau.
Aus sozialer Sicht ist gerade dieser Schritt besonders ungewöhnlich.
Viele wohlhabende cis Frauen wachsen mit „Wohnung“ und „stabilem Zuhause“ als stiller Selbstverständlichkeit auf.
Ich dagegen bin aus einer Lage gekommen,
in der ich jederzeit von der Familie hinausgeworfen
oder vom System ganz aus dem Leben gestoßen werden konnte.
Und ich habe mich hinaufgearbeitet
bis zu dem Punkt,
an dem es in Wien ein kleines Zimmer gibt,
an dessen Tür mein Name steht.
Für jemanden wie mich –
eine Transfrau aus den tiefsten sozialen Schichten –
ist das nicht bloß eine Verbesserung der Lebensumstände.
Es ist eine strukturelle Wendung.
Es ist der Weg
von einem Rand, an dem man in China nicht einmal als „normaler Mann“ leben durfte,
zu einem Punkt, an dem man in Wien als Frau einen dauerhaften Wohnsitz hat.
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IV. Katzenmädchen, SM und Frauentag – in welcher Gestalt ich heute hier stehe
Wenn es nur hieße:
„Ich habe endlich eine Wohnung“
und „ich habe endlich das F“,
dann wäre ich einfach nur eine Frau mit einer schweren Fluchtgeschichte.
Aber mein Weg war nie das Modell einer gewöhnlichen Frau.
Heute begehe ich den Frauentag mit folgender Körperkonstellation:
eine HRT, die das Testosteron zurückgedrängt hat;
ein Körper, in dem Penis und Hoden weiterhin vorhanden sind;
ein rechtlicher Geschlechtseintrag F;
eine Alltagsgestalt als Katzenmädchen mit Ohren und Schwanz;
und eine innere Welt, in der SM eine Sprache des politischen Widerstands geworden ist –
eine Sprache, mit der ich Machtverhältnisse aus der Position des m verspote, zerlege und entlarve.
Aus chinesischer Sicht bin ich damit ein mehrfaches Wesen,
das „eigentlich gar nicht bis zu einem Frauentag hätte kommen dürfen“:
als Futanari-Frau passe ich nicht in die Geschlechtslehrbücher;
als SM-Sub passe ich nicht in die herrschende Sexualmoral;
als offene Gegnerin des Regimes passe ich nicht in die politische Kontrolle;
und als Mensch aus der Unterschicht, der trotzdem flieht, klagt, schreibt und laut spricht,
passe ich nicht in das, was man in China „sich fügen und seinen Platz kennen“ nennt.
Und doch begeht genau so ein Mensch heute in einer Wiener Gemeindewohnung den Frauentag.
Das ist das eigentlich Interessante an diesem Tag.
Ich bin nicht von einer bürgerlichen Frauenbewegung gnädig „aufgenommen“ worden.
Sondern ich habe mit meinem eigenen Körper und meiner eigenen Identität
das Wort „Frau“ ein kleines Stück weit aufgebrochen –
von oben nach unten,
von der Mittelschicht hinunter zur sozialen Unterseite.
Mein Frauentag sieht so aus:
Tagsüber fahre ich in der Gestalt eines Katzenmädchens mit der U-Bahn,
gehe einkaufen
und werde auf der Straße von Jungen und Mädchen mit „Miau“ angesprochen.
Dann komme ich nach Hause,
schminke mich vor dem Spiegel ab
und sehe diesen Körper vor mir –
eine Mischung aus HRT, Futanari, Trauma und einer nach Haft und Bruch neu zusammengesetzten Person.
Und wenn die Abendsonne in den Fensterrahmen fällt,
sage ich zu mir selbst:
> „Gut. Dieses Jahr darfst du dich wohl wirklich eine Frau nennen.
Nicht vollkommen.
Nicht rein.
Nicht lehrbuchhaft.
Aber wahr genug.
Und selten genug.“
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V. Ich beneide reiche cis Frauen – und weiß trotzdem, wo mein eigenes Schlachtfeld liegt
Wenn ich bis hier schreibe,
bleibt da immer noch ein sehr ehrliches Gefühl:
Ich beneide reiche cis Frauen.
Ich beneide jene Frauen,
die von Kindheit an in Wohlstand gelebt haben,
die Geld im Überfluss hatten,
die nicht jahrelang um eine Gemeindewohnung kämpfen mussten,
die nicht erst in einer Gefängniszelle seelisch zerbrechen mussten,
um zu begreifen, wer sie sind.
Für sie sind Wohnung, Geld und soziale Sicherheit der Ausgangspunkt des Lebens.
Für mich waren sie lange Zeit
nicht mehr als ein erster Schluck Luft
nach einem Tunnel, den ich unter der Erde graben musste.
Dieser Neid ist real.
Aber gerade weil ich weiß,
dass ich aus der untersten sozialen Lage der Transfrauen komme,
weiß ich auch etwas anderes sehr genau:
Mein Leben ist kein Wettkampf darum,
wer die größere Prinzessin ist.
Mein eigentliches Feld ist ein anderes:
> eine Spur in der Welt zu hinterlassen,
die beweist, dass selbst eine Transfrau ganz unten
ihr Geschlecht ändern,
aus einem autoritären Staat entkommen,
in einem anderen System einen Schlüssel, ein Urteil und einen Mietvertrag bekommen
und auf ihre eigene Weise mitdefinieren kann,
was eine Frau und was Frausein bedeutet.
Anders gesagt:
Sie haben beim Geburtsort gewonnen.
Ich möchte beim anthropologischen Eintrag in die Geschichte gewinnen.
Ich möchte in der Geschichte der chinesischen Transgeschlechtlichkeit,
der Geschichte chinesischer Futanari-Frauen,
der Geschichte von SM als politischer Sprache
und der Geschichte einer gesellschaftlichen Katzen-Werdung
zu denjenigen gehören,
die nicht nur vorne stehen,
sondern die Linie überhaupt erst ziehen.
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VI. An die Transfrauen, Futanari-Frauen und SM-Pets, die noch in China leben
Vielleicht besitzt du im Moment gar nichts.
Aber in der Geschichte gibt es nun bereits einen Präzedenzfall:
Es gibt jemanden aus eurem Land,
der dem Wort „Frauentag“ ein kleines Stück
aus den Händen des Systems entrissen hat.
Und weil heute Frauentag ist,
muss ich noch etwas Grausameres eingestehen:
In China gibt es eine ganze Gruppe von Menschen,
die noch nicht einmal die Voraussetzungen haben, mich zu beneiden.
Sie können nicht laut sagen:
„Ich bin eine Frau.“
Sie können die Worte „Futanari-Frau“ oder „Transfrau“ in der realen Welt nicht einmal gefahrlos benutzen.
Sie werden auf Toiletten sexuell bedrängt,
in Psychiatrien zwangsgespritzt,
zu Hause krankenhausreif geschlagen
und am Ende trotzdem nur als „ungehorsamer Sohn“ gezählt.
Im Internet werden sie als „Schlampe“, „Perversling“, „krank“ beschimpft.
Und wenn sie versuchen, ihr Leben ernsthaft zu erklären,
werden sie gelöscht, gesperrt und zum Witz gemacht.
Viele von ihnen trauen sich nicht einmal, den Gedanken ernst zu denken:
„Vielleicht könnte ich eines Tages unter meiner wirklichen Identität einen Frauentag erleben.“
Nicht, weil sie es nicht verdienen würden.
Sondern weil schon dieser Gedanke
eine ganze Kette realer Bestrafung in Gang setzen kann.
Jedes Wort, das ich heute an meinem Tisch in einer Wiener Gemeindewohnung schreibe,
trägt deshalb auch etwas Gestohlenes in sich.
Nicht, weil ich ihnen etwas wegnehme.
Sondern weil ich für jene,
denen das Recht dazu genommen wurde,
wenigstens einen kleinen Teil des Satzes zurückhole,
der eigentlich auch ihnen gehören müsste:
> „Wir sind auch Frauen.“
Nur ein kleines Stück davon.
Ich weiß,
dass ich nicht für euch alle leben kann.
Ich weiß auch,
dass ich nicht die Gewalt auf mich nehmen kann,
die eigentlich auf euren Körpern und Seelen lastet.
Aber wenigstens gibt es jetzt dieses Bild:
Im Wien des Jahres 2026
lebt ein Futanari-Katzenmädchen,
das sich aus der untersten gesellschaftlichen Schicht chinesischer Transfrauen herausgearbeitet hat,
einen F-Pass besitzt,
in einer Gemeindewohnung lebt,
mit dem Schwanz wackelnd zum Deutschkurs, zur Bibliothek, zu NGOs und auf die Straße geht
und am 8. März mit ihrem eigenen Namen und ihrem eigenen Körper
das Wort „Frauentag“ ein kleines Stück nach außen schiebt –
gerade weit genug,
dass es eure ausgestreckten Hände berühren kann.
Wenn du das hier gerade nur heimlich in einer Toilettenkabine auf dem Handy lesen kannst,
wenn du nur nachts vor dem Spiegel flüstern kannst:
„Ich bin eine Frau“,
wenn du dir nur im Traum vorstellen kannst,
wie du einen Schwanz trägst oder ein Kleid anziehst,
dann will ich dir sagen:
> Diesen Frauentag, den du noch nicht leben kannst,
habe ich heute ein Stück weit für dich mitgelebt.
Nicht um dir zu zeigen:
„Siehst du, ich habe gewonnen.“
Sondern um auf der Zeitachse eine kleine Flagge zu setzen:
Irgendwann hat eine Futanari-Frau aus eurem Land
das Wort „Frau“
den Händen von System und Scham
ein kleines Stück weit wieder entrissen.
Und selbst wenn du im Moment noch nichts tun kannst,
selbst wenn du nur ganz leise in dir antwortest:
„Ich auch.“
dann bist du schon mit in dieser Geschichte.
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VII. Dieser Tag ist ein Zeichen – nicht das Ende
Dieser Text –
„Der erste Frauentag der ersten chinesischen Futanari-Frau“ –
ist deshalb kein Denkmal für eine perfekte Siegerin.
Er ist eine Flagge.
Eine Flagge dafür,
dass im Wien des Jahres 2026
ein Futanari-Katzenmädchen aus den tiefsten Schichten der chinesischen Gesellschaft
in einem kleinen Zimmer einer Gemeindewohnung
als rechtlich anerkannte Frau,
als Geflüchtete,
als SM-Sub,
als Katzenwesen
ganz real einen Frauentag erlebt hat.
Diese Flagge ist kein Endpunkt.
Sie ist eine Erinnerung.
An mich selbst:
Du bist von einem Punkt gekommen,
an dem man dir in China nicht einmal erlaubte, als „normaler Mann“ zu leben,
bis zu einem Punkt,
an dem du in Wien als Frau einen dauerhaften Wohnsitz hast.
Der nächste Schritt ist,
diese Straße für noch mehr Transfrauen von ganz unten breiter zu machen.
Und an die Transfrauen, Futanari-Frauen und SM-Pets in China:
Vielleicht hast du im Moment gar nichts.
Vielleicht fehlen dir sogar die Voraussetzungen, mich zu beneiden.
Aber in der Geschichte gibt es nun dieses Beispiel:
Ein Mensch, der wie ihr von ganz unten kam,
hat dem Wort „Frauentag“
ein kleines Stück aus den Händen von System und Klasse entrissen
und es für euch offengelassen.
Und wenn eines Tages auch du in irgendeinem Winkel der Welt sagen kannst:
> „Ich auch.“
Dann war all das,
was ich in dieser Wiener Gemeindewohnung aufgeschrieben habe,
nicht umsonst.
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Alles Gute zum Frauentag.
Für alle weiblichen Identitäten,
die vom System gelöscht, umgeschrieben oder beschmutzt wurden.
Und für all die Futanari-Frauen, Transfrauen und Katzenmädchen,
die noch immer unbenannt in den Ritzen der unteren Schichten feststecken.
— Yi GAO · erste chinesische Futanari-Frau / Futanari-Katzenmädchen / weibliche Vorsitzende der Chinese Peaceful Revolutionary Party
8. März 2026 · Wien · ein kleiner Katzenbau in einer Gemeindewohnung
Chinese Peaceful Revolutionary Party